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HauptseiteUngarisch-bayerische Beziehungen> Geschichte der Beziehungen


Die Geschichte der ungarisch-bayerischen Beziehungen

Bayern und Ungarn hatten im 10. Jahrhundert eine gemeinsame Grenze. Die Ungarn haben damals, als „reitende Räuber“ in Bayern geplündert Klöster und Dörfer niedergebrannt und verwüstet.

Die große Wende brachte - der Überlieferung nach - die Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg im Jahr 955. Sie endete mit einem grandiosen Sieg  des Königs Otto. Danach suchte man von bayerischer Seite den durch die Macht der Waffen bezwungenen Nachbarn dynastisch einzubinden, ein Unterfangen, das in der Heirat des ersten ungarischen Königs István mit Gisela, der Tochter des bayerischen Herzogs, Heinrich des Zänkers und Schwester des späteren Kaisers Heinrich II, seinen Höhepunkt fand. Aus dieser Zeit blieb bis heute der Bamberger Reiter erhalten, der aller Wahrscheinlichkeit nach den ersten ungarischen König darstellt.

Zwischen Bayern und Ungarn gab es lange Zeiten engste Verbindungen, wenngleich der einzige Versuch eines bayerischen Herzogs, den ungarischen Königsthron und damit die Krone des 1083 heilig gesprochenen Königs Stephan für sich zu gewinnen eine kurzfristige Episode blieb. Der niederbayerische Herzog Otto III, der über seine Mutter mit dem ungarischen Arpadengeschlecht verwandt war, hatte von 1305 bis 1308 den ungarischen Thron inne. Doch ohne Unterstützung - und in innerungarische Machtkämpfe verstrickt - musste er sich bald nach Bayern zurückziehen.

Ungarn war im 14. und 15. Jahrhundert eine europäische Großmacht in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht und dadurch ein wichtiger Partner für die süddeutschen Gebiete. Ungarische Münzen erfreuten sich auch im bayerisch-ungarischen Handel besonderer Wertschätzung. Für Kaufleute wie die Augsburger Fugger wurde Ungarn wegen seines Erzreichtums ein wichtiger Stützpunkt. Viele Jahrhunderte lang war Ungarn ein wichtiger Fleischlieferant für die bayerischen Märkte. Ungarns Ausstrahlung – ganz besonders unter König Matthias Corvinus (1458-1490) erreichte auch Bayern. Einige  Handschriften seiner welthin berühmten Sammlung sind über verschlungene Wege auch in bayerische Bibliotheken gelangt und haben sich dort erhalten. Die Arbeiten der Nürnberger und Augsburger Gold- und Silberschmiede standen wiederum beim ungarischen Adel hoch im Kurs. Prächtige Exemplare dieses fruchtbaren künstlerischen Austauschs haben sich in den Schatzkammern erhalten.

Doch auch die politisch-militärischen Beziehungen hatten Bestand. Noch im 17. Jahrhundert kämpfte der bayerische Kurfürst Max Emanuel in Ungarn gegen die Osmanen. Die nach den langen kriegerischen Auseinandersetzungen wüst liegenden Landstriche wurden systematisch  - zum Teil von Schwaben  und Franken- wiederbesiedelt.

Für die fränkischen und schwäbischen Auswanderer des 18. Jahrhunderts war die Reise donauabwärts nicht immer eine Reise in das „gelobte Land“, wie es ein Auswandererlied verheißt. Armut und Überbevölkerung waren die Hauptgründe, die gefahrvolle Reise in ein unbekanntes Land zu wagen. Unter Aufnahme ungarischer Traditionen und Lebensgewohnheiten entstand eine „donauschwäbische“ Mischkultur, die sich im 20. Jahrhundert zunehmend assimilierte.

Ausgerechnet die bayerische Prinzessin Elisabeth war es, die das Land als österreichische Kaiserin und ungarische Königin im 19. Jahrhundert wieder ins europäische Bewusstsein zurückholte. „Sissi setzte sich nachhaltig für die Rechte der Ungarn ein und wird dafür bis heute von ihnen verehrt und geliebt“. Sie erlernte auch die schwierige ungarische Sprache und hielt bald Reden in fließendem Ungarisch.

Nach dem Ausgleich von 1867 war Ungarn für die Habsburger bis zum Ende der Monarchie 1918 die zweite tragende Säule.

Nach dem Ersten Weltkrieg zählte Ungarn zu den Verlierernationen. Der Vertrag von Trianon ließ sein Territorium um zwei Drittel schrumpfen. Ähnlich den Verhältnissen im Deutschen Reich nach dem Vertrag von Versailles führte die Entwicklung in Ungarn zu Revolution, außerdem war eine reaktionär-nationalistische Entwicklung zu beobachten. Unter Miklós Horthy verbündete sich Ungarn mit dem nationalsozialistischen Deutschland, bis die deutschen Truppen im März 1944 auch in Ungarn einmarschierten. Dem nun folgenden Terrorregime war vor allem die jüdische Bevölkerung schutzlos ausgeliefert. Am 4. April 1945 räumten die letzten deutschen Einheiten das Land. Am 1. Februar 1946 wurde in Ungarn die Republik ausgerufen.

Damit endete das tausendjährige Königreich der Stephanskrone. Von den vertriebenen Ungarndeutschen fanden etwa 50.000 eine neue Heimat in Bayern.

In dem knappen halben Jahrhundert seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs litt Ungarn unter seiner Lage am Rand des Machtbereichs der Sowjetunion – und vermochte sich, obwohl der mutige Aufstand von 1956 gescheitert war, kleinere Freiheiten zu erkämpfen. In Folge des Volksaufstandes haben 210.000 Ungarn ihre Heimat verlassen, viele Tausende von denen ließen sich in Bayern, vor allem in München,  nieder.

Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs im Jahr 1989, in dem Ungarn durch die Öffnung der Grenze nach Österreich eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt hat, versucht sich das Land in einem zukünftigen Europa, seit 2004 auch als EU-Mitglied, zu positionieren.

Auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet sind die Kontakte zwischen Bayern und Ungarn heute ausgesprochen vielseitig. Sie tragen zum Zusammenwachsen Europas kräftig bei.

(Zusammengestellt mit der Verwendung des Textes „Wolfgang Jahn: Bayern-Ungarn. Tausend Jahre”)