Über das Botschaftsgebäude sowie seine ehemaligen und derzeitigen Behörden
Das Palais der Ungarischen Botschaft wurde 1747 von den ungarischen Ständen und den freien königlichen Städten erworben, um hier das Amt der Ungarischen Hofkanzlei unterzubringen. Das ursprünglich von Fischer von Erlach erbaute barocke Palais Windischgrätz wurde im Laufe der Zeit durch neue Gebäudeteile ergänzt und nahm auch das Amt der Siebenbürgischen Hofkanzlei auf. Das Gebäude wurde nach den Plänen des Architekten Franz Anton Hillebrandt umgebaut und hatte bis zum Jahre 1784 im Wesentlichen schon seine heutige Form, obwohl es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch ein neues Stockwerk erweitert und im Zuge des 20. Jahrhunderts auch der Dachboden genutzt wurde.
Die innere Formgebung des prunkvollen Barockpalais´ der Ungarischen Hofkanzlei ist mit dem Namen des Hofkanzlers, des Grafen Franz Esterházy, eng verbunden und ist das Ergebnis der großzügigen Mäzenatur der dankbaren Königin Maria Theresia für die militärische Hilfe Ungarns im österreichischen Erbfolgekrieg. Die innenarchitektonische Ornamentik ist das Werk des italienischen Hofarchitekten Nicolaus Pacassi, die Gemälde im Pressburger Saal über die Krönungsszenen Maria Theresias stammen von Franz Messmer. Das Maulbertsch-Fresko im Kanzlerzimmer entstand 1766 und stellt die Szene dar, in der Maria Theresia dem Palatin Ludwig Graf Batthyány die Insignien des St. Stephans-Ordens überreicht.
Das reiche Innendekor des Hofkanzleigebäudes sollte durch die Repräsentationsmittel eindeutig die Macht des Hofes widerspiegeln. Nach dem Ausgleich wurden die wertvollen Tapisserien, Möbelstücke und Gemälde zwar nach Buda in das Palais des als Rechtsnachfolger fungierenden Ministerpräsidiums (Palais Alexander) überführt, aber die Innenraumgestaltung, die Bilder und Kopien haben bis heute den Reichtum der feudalen Behörde getreu bewahrt, und lassen die Stimmung des Barock (Warteraum für Diplomaten) sowie den Zeitgeist während der Periode des Ausgleichs (Marmorsaal) wieder aufleben.
Im Wandel der Zeit war das Gebäude ab 1848 und später nach 1867 die Residenz des königlich ungarischen Ministers am Allerhöchsten Hoflager bzw. Schauplatz der Verhandlungen zwischen den Delegationen des Reichsrates und des Ungarischen Landtages, wo der Staatshaushalt der gemeinsamen Ministerien der Monarchie (Ministerien für Äußeres, Krieg und Finanz) beschlossen wurde.
Das ungarische Palais in der Bankgasse wurde nach der Ausrufung der Republik im Jahre 1918 zum Botschaftsgebäude erklärt. Von den hier tätigen namhaften Gesandten bekleideten Gustav Gratz und Baron Gábor Apor auch das Amt eines Außenministers. Nach dem Anschluss war im Palais jahrelang das Generalkonsulat untergebracht und stand nach dem II. Weltkrieg unter der Leitung von kurzzeitig tätigen Geschäftsträgern. Nachdem Österreich durch den Staatsvertrag im Jahre 1955 endgültig seine Unabhängigkeit zurückgewonnen hatte, nahmen die ersten Gesandten erneut ihren Platz ein.
Nach dem Besuch von Bundeskanzler Bruno Kreisky im Jahre 1964 in Budapest, der die politische Annäherung zwischen Österreich und Ungarn gebracht hatte, wurde die diplomatische Vertretung in den Rang einer Botschaft erhoben.
Die Rekonstruktion des Gebäudes in jüngerer Zeit wurde Anfang der 1990er Jahre fertig gestellt und das Palais im österreichischen Regierungsviertel in der Bankkasse ist mit seinen Veranstaltungen auch heute ein beliebter und einer der zentralen Orte des diplomatischen und gesellschaftlichen Lebens in Wien.